Portrait #8: Cornelia Bohn, Preussischer Whisky, Mark Landin

Weitsicht und Geduld, eine Strategie und eine Leidenschaft.

Wenn man etwas erreichen möchte, dann kann man nicht warten, bis sich Dinge fügen, man muss sein Leben selber in die Hand nehmen und gestalten. Man muss brennen für seine Idee – beim Besuch bei Cornelia Bohn in der Uckermark brennt eine wundervolle Kupfer-Destille Preussischen Whisky – und zwar seit über 10 Jahren reibungsfrei.

Cornelia Bohn hat in Schönermark im Jahr 2009 eine reine Whisky-Brennerei ohne Tourismusgedanken gegründet. Es gibt zwei Mal im Jahr die Möglichkeit, die Destillerie zu besuchen, ansonsten bleiben die Türen geschlossen. Es gibt keinen Hofladen, keine Öffnungszeiten oder ein Geschäft. Der Verkauf läuft online und über Handelspartner wie z. B. Manufactum. Das kleine Dorf ist touristisch nicht erschlossen, verkehrstechnisch schlecht angebunden, und wenn sich doch einmal jemand hierher verirrt und an die Tür hämmert, bleibt diese meist geschlossen. Die Besucher sind dann überrascht, wenn sie sagt, „Ich kann jetzt nicht, ich arbeite“.

Um zu diesem Punkt zu kommen, so erzählt Frau Bohn, hat sie ihr Leben entrümpelt und sich damit auseinander gesetzt, mit wie wenig sie auskommt, um sich auf das konzentrieren zu können, was wichtig ist. Das muss nicht unbedingt notwendig sein. Das Leben ist mehr als 2200 Kalorien und ne Wolldecke. Man braucht auch mal ein schönes Parfüm, das ist Genuss.

Die Rezeptur ihres Whiskys war schon relativ früh klar. Es sollte ein stark charismatischer Whisky sein, keine Wiederholung. Eine wichtige Komponente ist dabei auch, dass nur neue, stark getoastete Eichenfässer für die Lagerung des Whiskys eingesetzt werden oder Fässer, in denen ihr eigener Whisky lagerte. Die Esther, die während der Gärung und Destillierung entstehen, sind komplex und wichtiger Bestandteil des puristischen Whisky-Charakters. Dieser sollte nicht mit anderen Aromen von schon belegten Fässern vermischt werden.

Der Start im Jahr 2009 war gut, aber nur durch Fehler ist die Rezeptur besser geworden. Bei einem solchen Vorhaben nur auf Nummer sicher zu gehen funktioniert nicht, erzählt Cornelia Bohn. Ihre Familie hat sie dabei immer unterstützt. Bis 2015 hat sie noch in Vollzeit als Pharmazie-Ingenieurin gearbeitet, um das Unternehmen zu aufzubauen. Dabei hat sie alles auf eine Karte gesetzt. 

Ist der Whisky frisch destilliert, heißt er „baby whisky“. Erst nach drei Jahren und einem Tag darf er sich Whisky nennen. In der Zwischenzeit reift der Whisky in einem Lager ohne Fenster und ist somit den selben Temperaturen ausgesetzt, wie das Getreide, das auf dem Feld wuchs. An einem Schnapszahlentag, dem 12.12.2012, wurde der erste Whisky abgefüllt. Das war Zufall.

Nun ist alles ist so, wie sie es möchte. Ihr Unternehmen ist von ihr angelegt, alles passt und ist, wie sie es sich aufgebaut hat. Sie schafft ein bestimmtes Pensum an Produktion und Verkauf. Damit kommt sie klar. Ein kleines Unternehmen ist stressfreier, man hat über alles den Überblick. Man kann alles selbst organisieren, kann alles entscheiden und still vor sich hinarbeiten. 

Sie destilliert nämlich unheimlich gerne. Bei einer radikalen Vergrößerung würde das verloren gehen. Dann sässe sie plötzlich nur noch am Schreibtisch oder Verhandlungstisch. Das braucht sie nicht. Hier an der Destille ist ihr Platz. Das ist die perfekte Harmonie. Sie sagt: „Für mich ist Geld nicht so wichtig, wie für andere. Ich muss davon leben können, aber ich muss auch noch Spaß am Leben haben.“

Solange Cornelia Bohn die Brennerei führen wird, wird sie bei dieser Strategie bleiben: Eine Whisky-Rezeptur in Einzelfass-Abfüllung, kleine Chargen auf bestem Niveau mit besten Zutaten, Abfüllung auf Fassstärke. Das bedeutet: Man muss winzige Schlückchen nehmen, damit der Gaumen die Gelegenheit hat, sich an die Wucht zu gewöhnen – und er schmeckt immer anders, er ist ein Unikat, mit Flaschennummer, Charge und handschriftlichen Infos versehen.

Womit wir beim Geschmack angekommen sind. Keine Sensorik kann mit einer anderen verglichen werden. Jeder Mensch nimmt den Whisky anders wahr. „Der Geschmack und der Geruch ist eng mit dem verankert, was man aus der Kindheit kennt“, führt Cornelia Bohn aus. „Was für den einen ein tolles Geschmacksereignis ist, gefällt einem anderen gar nicht. Dann ist der Whisky deswegen nicht schlecht, er schmeckt nur nicht. Und natürlich ist es auch von der Stimmung abhängig und von dem, was man zuvor gegessen hat.“

Cornelia Bohns Whisky ist immer wieder eine neue Aufforderung, den Whisky nicht nur zu trinken, sondern zu erkunden – jedes Mal eine neue Tour zu unternehmen. Jeder hat seine eigene Tour, jeder hat seine eigene Geschichte. Ich freue mich darauf.

Das Gespräch führte Julia Nowak mit Cornelia Bohn.