Hof Stolze Kuh

Eins unserer Anliegen ist: Wir möchten Porträts und Geschichten über Menschen zeigen, die im weitesten Sinne das Land, seine Häuser, Regionen, Kommunen mit ihrer Hände Arbeit, ihrem Tun, ihren Ideen beleben und gute Lebensperspektiven auf dem Land aufzeigen. Die Arbeit und das Engagement von

Portrait #1: Anja Hradetzky

findet Landgang e. V. sehr beindruckend und wir denken, dass sie für Menschen, die vielleicht auch Landgänger werden wollen, eine Inspiration ist.

Anja Hradetzky, Hof STOLZE KUH, 07. Februar 2019

– Wer seid ihr?

Mein Mann Janusz, ich (Trainerin für wesensgemäße Tierhaltung und Autorin), unsere beiden Kinder, unser Altdeutscher Hütehund Juri, 100 Stolze Rinder und 250 Stolze Hühner. Dazu kommen sechs Mitmacher und im weiteren Umfeld drei Vereine, mit denen wir Jungbauern vernetzen und unterstützen und eine Dorfschule gründen.

– Warum übst du deinen heutigen Beruf aus?

Ich durfte nie Haustiere haben. Jetzt habe ich viele. Das macht mich froh. 

– Wann genau hast du deine Entscheidung getroffen?

Ich glaube, es gab viele kleine Momente, in denen mir bewusst wurde, dass es das, was wir vorhaben, noch nicht gibt, und wir das selbst zum Leben erwecken können. 

– Welche Erinnerungen aus deinem Elternhaus verbindet dich mit deinem heutigen Beruf?

Es gab nur Essen aus dem Discounter, fettarme H-Milch und viel Tütenessen. Erst später, im Ökolandbaustudium lernte ich, was da drinsteckt, nicht nur an Nährwert, sondern auch an ökologischer und sozialer Last.

–  Durch den strukturellen Wandel, den die Digitalisierung in die Arbeitswelt, und die steigenden Mietpreise in der Stadt  mit sich bringen, denken viele Menschen darüber nach, aufs Land zu ziehen. Was möchtest du Menschen empfehlen, die vor der Entscheidung stehen, ihr (berufliches) Leben zu ändern?

Bist du wirklich bereit, dich auf das Dorf einzulassen und dich dort einzubringen? Auf dem Dorf kannst du selbst erschaffen, was dir fehlen würde, auch Kultur und Geselligkeit. Dafür braucht es allerdings mehr eigenen Aktivismus als in der Stadt.

– Welcher Aspekt deiner Arbeit gibt dir am meisten Kraft? 

Wenn die Kälber aus dem Euter der Kuh trinken. Und über diese riesigen Weiden zu laufen. Dann denk ich jedes Mal: So wollen Tiere leben!

– Was sollten wir Menschen von den Kühen lernen?

Wie beim Wiederkäuen: langsam angehen, im Rhythmus der Natur bleiben, Jahreszeiten als Geschenk wahrnehmen und nicht immer übers Wetter jammern.

– Wie wird die Landwirtschaft in 20 Jahren aussehen? Welche Rolle spielt Digitalisierung in deinem Unternehmen?

Da bleibe ich bei aller Hoffnung realistisch: trist, eintönig, tot. 

Die Politik setzt mit der Förderung nur wenig Anreize. Die Digitalisierung funktioniert auf noch größeren Flächen einfach besser. Wir sind außer bei der Kundenkommunikation noch sehr nah am Leben, undigitalisiert. Für so kleine Betriebe lohnt sich die meiste Software auch einfach nicht.

– Kann man davon leben?

Wenn Menschen, die unsere Ideale teilen, regelmäßig bei uns einkaufen, JA! Zum Aufbau gehört schon eine riesige Menge an Energie und Kraft.

– Was wünschst du dir?

Viele Menschen mit meiner Bildungsarbeit erreichen und Impulse zur Gewohnheitsänderung zu geben. Statt bei knurrendem Magen an den Supermarkt zu denken, wärs schön, wenn der Bauer und die Erde im Kopf aufploppt.

– Worauf bist du stolz?

Auf so viele stolze Kühe, die wesensgemäß leben dürfen. 

– Wie wichtig ist Nachbarschaft?

Das Landleben wird besonders lebenswert, wenn ich Nachbarn treffe, Gedanken und Taten mit ihnen teile. Außerdem gibt mir das so viel Kraft zurück, wenn Menschen aus dem Dorf bei uns einkaufen und selbst hier etwas erschaffen! 

Den Dialog führte Julia Nowak mit Anja Hradetzky, Stolze Kuh Landwirtschaftsbetriebe im Februar 2019

STOLZE KUH, Landwirtschaftsbetrieb, 07. Februar 2019

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